Ein Versprechen unter Beweispflicht
Kaum ein Satz findet sich auf den Websites von Familienunternehmen so häufig wie dieser: Man wirtschafte nachhaltig, und das seit Generationen. Langfristiges Denken, Verantwortung für Region und Mitarbeitende, ein Name, der für Qualität steht. Für viele Eigentümerfamilien ist das kein Marketing, sondern gelebtes Selbstverständnis. Die Forschung hat dafür einen Begriff: Socio-Emotional Wealth, also der nicht-finanzielle Wert, den eine Familie aus ihrem Unternehmen zieht. Dazu zählen Identität, Reputation, die Bindung an die Region und die Weitergabe an die nächste Generation.
Auch die Öffentlichkeit sieht das so: In einer Bevölkerungsbefragung aus dem Jahr 2025 wurde Familienunternehmen am häufigsten zugetraut, nachhaltig zu wirtschaften.¹ Und ihr wirtschaftliches Gewicht ist enorm, in Deutschland wie in Österreich:
- 46 % des Umsatzes der deutschen Privatwirtschaft
- 18,3 Mio. Beschäftigte in deutschen Familienunternehmen
- 50 % der österreichischen Unternehmen (ohne Ein-Personen-Unternehmen) sind Familienunternehmen
- 63 % der Beschäftigten der österreichischen marktorientierten Wirtschaft arbeiten dort
Quellen: Stiftung Familienunternehmen / ZEW (2025)², KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ (Datenbasis 2019)³
Nur: Ein Vertrauensvorschuss ist noch kein Beleg. Und genau den verlangen immer mehr Stellen.
Vertrauen ist kein Selbstläufer mehr
74 % der Führungskräfte in Familienunternehmen weltweit sind überzeugt, dass ihrem Unternehmen mehr vertraut wird als Unternehmen ohne Familienbezug.⁴ Langjährige Vertrauensumfragen zeigen jedoch, dass dieser Vorsprung schrumpft: Der Vertrauensabstand zu anderen Unternehmen hat sich zwischen 2015 und 2025 von 16 auf 8 Punkte halbiert.⁵ Vertrauen ist damit keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern muss aktiv verdient werden.
Der Vertrauensvorschuss ist ein Startvorteil, aber kein Nachweis. Wer ihn behalten will, braucht Zahlen, die einer Prüfung standhalten.
Drei Richtungen, ein Anspruch: Belege
Der Druck kommt nicht aus einer Richtung, sondern aus dreien gleichzeitig. Familienunternehmen trifft er besonders, weil viele von ihnen in Produktion und Bau tätig sind und damit mitten in den Lieferketten großer Kund:innen stehen. In Österreich sind in diesem Sektor 62 % der Unternehmen Familienunternehmen, über alle Branchen hinweg sind es 50 %.³
- Kund:innen und Lieferkette. Großkunden fragen Emissionsdaten, Ratings und ESG-Fragebögen bei ihren Zulieferern ab, unabhängig davon, ob diese selbst berichtspflichtig sind. Im deutschen Mittelstand nennen je 54 % die eigenen Kund:innen und die eigene Reputation als Treiber ihrer Nachhaltigkeitsbestrebungen. 62 % planen eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung, etwa nach VSME oder GRI, auch wenn sie nach den Omnibus-Plänen nicht mehr dazu verpflichtet wären.⁶
- Banken. Nach den Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht müssen Banken ESG-Risiken systematisch in ihre Kreditprozesse integrieren und brauchen dafür Daten ihrer Kund:innen. In Deutschland berichten 37 % der KMU ab 50 Beschäftigten, die 2024 Kredite verhandelt haben, dass Nachhaltigkeit dabei zur Sprache kam, nach 34 % im Vorjahr. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg der Anteil über alle KMU-Größen hinweg von 20 % auf 24 %.⁷
- Gesetzgeber. Seit dem 27. September 2026 gelten die neuen Regeln der EmpCo-Richtlinie, in Österreich umgesetzt durch die Novelle des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), in Deutschland durch die UWG-Novelle vom Februar 2026.⁸ Allgemeine Umweltaussagen wie „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ sind in der Werbung gegenüber Verbraucher:innen nur noch zulässig, wenn das Unternehmen eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachweisen kann, etwa über das EU-Umweltzeichen. Was die EmpCo konkret regelt, haben wir in unserem Beitrag zur EmpCo-Richtlinie zusammengefasst. Reine B2B-Zulieferer betrifft die EmpCo nicht direkt. Ihre Wirkung spüren sie trotzdem, sobald ihre Kund:innen gegenüber Verbraucher:innen Umweltaussagen belegen müssen.
Gemeinsam ist allen drei Richtungen: Es zählt nicht mehr die Haltung allein, sondern der Beleg.
Was der Sonderreport zeigt: Nachweise rücken in den Fokus
Gemeinsam mit sustainability people und EY haben wir in einem Sonderreport untersucht, wie das Nachhaltigkeitsmanagement in Familienunternehmen arbeitet. Dafür haben wir die Angaben von 160 Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus Familienunternehmen mit denen von 376 Kolleg:innen aus anderen Unternehmen verglichen, auf Basis des sustainability people Report 2026.⁹ Daraus ergibt sich ein klares Bild.
Das Ergebnis überrascht auf den ersten Blick: Bei den Kernaufgaben gibt es kaum Unterschiede. Berichterstattung, Strategieentwicklung und Klimamanagement stehen in beiden Gruppen gleich weit oben. Deutlich anders sieht es bei zwei Aufgaben aus, die genau dort entstehen, wo jemand von außen einen Nachweis verlangt: Nachhaltigkeitsratings und ESG-Compliance. Beides wird in der Rolle der Nachhaltigkeitsmanager:innen in Familienunternehmen zunehmend bedeutender.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Daraus ergeben sich vier Ansatzpunkte:
- Aussagen prüfen. Nachhaltigkeitsaussagen auf Website, Verpackung und in Angeboten sammeln und mit Daten hinterlegen oder anpassen.
- Anfragen bündeln. Ratings, Kunden- und Bankfragebögen fragen meist dieselben Kennzahlen ab. Einmal sauber erhoben, beantworten sie viele Anfragen.
- An Bestehendes anknüpfen. Managementsysteme, Audits und Zertifikate aus Qualitätsmanagement und Operations nutzen, statt Parallelstrukturen aufzubauen.
- Entscheidungen dokumentieren. Kurze Wege sind eine Stärke. Wesentliche ESG-Entscheidungen sollten trotzdem nachvollziehbar festgehalten werden. Mehr dazu in den zehn Impulsen von EY im Sonderreport.
Wie NetCero unterstützt
Der rote Faden ist eindeutig: Nachhaltigkeit wird in Familienunternehmen zur Nachweisarbeit. Und Nachweise brauchen eine Datenbasis, die hält. Genau hier setzt NetCero an.
- Eine Datenbasis für viele Anfragen. Energie, Emissionen nach Scope 1, 2 und 3 sowie weitere ESG-Kennzahlen werden einmal strukturiert erfasst und stehen dann für Ratings, Kundenanfragen, Bankgespräche sowie VSME- oder ESRS-Berichte zur Verfügung.
- Jede Zahl bis zur Quelle nachvollziehbar. Aktivitätsdaten, Emissionsfaktoren und Quelldokumente sind miteinander verknüpft, jede Änderung wird lückenlos im Audit-Trail dokumentiert. Prüfer:innen erhalten einen eigenen Auditor-Zugang.
- Entlastung für kleine Teams. Datenpunkte lassen sich mit Verantwortlichen, Fristen und automatischen Erinnerungen an Kolleg:innen aus Produktion, Einkauf oder Personal verteilen, mit 4-Augen-Prinzip und Freigabe-Workflow statt E-Mail-Pingpong.
Praxisnah. Pragmatisch. Prüfsicher. NetCero macht aus dem Vertrauensvorschuss einen belastbaren Nachweis.
Der Sonderreport zum Download
Der vollständige Sonderreport „Nachhaltigkeitsmanagement in Familienunternehmen“ von sustainability people in Zusammenarbeit mit NetCero und EY liefert die Daten und Einordnungen aus der Praxis:
- Wo ist Nachhaltigkeit in Familienunternehmen organisatorisch verankert, und was folgt daraus?
- Wie unterscheiden sich die Budgets, und wofür werden sie eingesetzt?
- Wie sieht die Nachhaltigkeitsarbeit in Logistik, Industrie und Handel konkret aus? Stimmen aus der Praxis.
- Zehn Impulse von EY für ein wirksames Nachhaltigkeitsmanagement in Familienunternehmen.
Quellen
- PwC (2025): Das Image von Familienunternehmen bei der Bevölkerung – Bevölkerungsbefragung, n = 2.000, Mai 2025. Zitiert nach Sonderreport.
- Stiftung Familienunternehmen / ZEW (2025): Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen, 7. Auflage. Zitiert nach Sonderreport.
- KMU Forschung Austria (2020): Familienunternehmen in Österreich 2019, im Auftrag der WKÖ; zusammengefasst in WKÖ-Analyse „Familienunternehmen: Säule der Wirtschaft“, April 2020. (Anteile an Unternehmen und Beschäftigten der marktorientierten Wirtschaft, Anteil nach Branchen.)
- PwC Global Family Business Survey 2025 „Reclaiming advantage“ – 1.325 Familienunternehmen in 62 Ländern und Territorien.
- Edelman Trust Barometer – Auswertung zu Familienunternehmen, zitiert nach PwC Global Family Business Survey 2025 (Vertrauensabstand von 16 Punkten 2015 auf 8 Punkte 2025).
- Grant Thornton / YouGov: ESG und Nachhaltigkeit im Mittelstand 2025 – rund 580 Entscheider:innen im deutschen Mittelstand, Juni 2025.
- KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 528 (13. Januar 2026): Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen großer KMU an Bedeutung – auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 2025.
- Richtlinie (EU) 2024/825 (EmpCo), anzuwenden ab 27. September 2026. Umsetzung in Österreich: UWG-Novelle, BGBl. I Nr. 58/2026, beschlossen am 7. Juli 2026. Umsetzung in Deutschland: Drittes Gesetz zur Änderung des UWG, BGBl. 2026 I Nr. 43.
- Sonderreport „Nachhaltigkeitsmanagement in Familienunternehmen“ – sustainability people in Zusammenarbeit mit NetCero und EY, Stand 17. September 2026. Teilauswertung des sustainability people Report 2026 (Erhebung April 2026; 160 Nachhaltigkeitsverantwortliche aus Familienunternehmen, 376 aus Nicht-Familienunternehmen).